<< (Deutsches Theater Satyrikon)

Skulpturhafte Gestalten in“bekleideter Nacktheit“

Absurde Komodie imSchutzenhof/Schauspieler beeindruckten

Ahimer Kultur

Achim (jss).
Eineinhalb Stunden verfolgte das Publikum gebannt das Spiel auf der Buhne. Der langanhaltende Applaus, verbunden mit begeisterndem Getrampel, machte dann die Erleichterung deutlich, die viele empfunden haben mogen, das diese absurde Komodie amEnde doch noch trostlich ausgeht.
Der russische Regisseur Anatolij Leduchovsky hat die Geschichte vom Aufstieg und Fall des “Vater Ubu” (gesprochen Ubuuuu) inlebendige Bilder umgesetzt. Jede Szene, inder sich die Schauspieler der Theatergruppe Satyrikon bewegen, wirkt fur sich wie ein Gemalde inden Farben Rot, Schwarz und Weis.
Der starkste optische Eindruck ist die „bekleidete Nacktheit” der Darsteller. Ihre Leiber stecken inwulstigen Kostumen; Bruste, Bauch, Genitalien sind ubertrieben aus knallrotem Stoff nachgebildet; wenig erotisch, eher obszon und abstosend. Die turmarlige Kopfbedeckung unterstreicht das Skulpturhafte der Gestalten. Auf den weis geschminkten Gesichtern sind schwarze Linien gezeichnet. Ein faszinierender Anblick, wenn man sich erst einmal daran gewohnt hat. Die hellen Gewander, die spater die Korper einhullen, stehen dazu inkrassem Gegensatz. Entworfen hat diese phantastischen Hullen Stefan Berthold.
Das verruckte Spiel beginnt: Vater Ubu und Mutter Ubu sitzon mit schlenkernden Beinen auf einem Tisch inder Mitte der Buhne. Das Paar plant inkindlicher Einfalt und doch bitterernst den Konigsmord. Der Dritte imBunde hilft, die bose Tat auszufuhren. Das Konigspaar stirbt seinen gewaltsamen Tod stumm und eindringlich, begleitet von tonlosen Schreien aus weit aufgerissenen Mundern. Spater schreiten sie, indurchsichtiges Weis gekleidet, als Tote uber die schwarze Buhne.
Alle Darsteller beeindrucken durch ihr intensives Spiel. Obsie sich nun instummer Pantomime bewegen, inRuhe verharren oder ihre Satze herausschreien stets haften die Blicke der Zuschauer anden Korpern auf der Buhne. Besonders wandlungsfahig zeigt sich der machthungrige Ubu. Aus “Vater Ubu“, dem schwammigen, weichlichen Menschen, der unterwurfig weinerlich lamentiert, wird „Konig Ubu”, der mordende Diktator. Die Stimme verandert sich, wird laut und drohend.
Sechs Wochen haben die Schauspieler mit ihrem Regisseur geprobt. Standig anwesend war Elena Guibermann, die die Regieanweisungen ubersetzt und dem nur russisch sprechenden Leduchovsky assistiert hat. Mit ihm zusammen sorgte sie wahrend der Vorstellung fur den stimmigen Einsatz der Musik und die richtige Beleuchtung. Die nachste Auffuhrung des Stuckes ist amFreitag, 24. Oktober, imConcordia-Thealer vorgesehen.

22.10.1997



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