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Stanislawskis Enkel

(fragments)

Carola Durr, Die Deutsche Buhne ╣á9

Mehr als zweihundert Theater gibt es, allen Krisen zum Trotz, derzeit allein ináMoskau, Raum genug fur junge Regisseure, sich auszuprobieren. Vier Nachwuchsregisseure, jeder von ihnen auf der Suche nach dem eigenen Stil, zeigen, wie breit gefachert der Umgang mit Stanislawskis Erbe heute ist.

Ein eigenes Theater ware fur den acht Jahre jungeren Anatoli Leduchowski hingegen die Schreckensvision schlechthin: zuviel Bindung, zuviel Verantwortung. Erákommt wie Schenowatsch von der traditionellen Moskauer Theaterschule GITIS, seine kunstlerischen Vorstellungen gehen jedoch ináeine ganz andere Richtung. Das beginnt damit, das erásich nicht ináden herkommlichen russischen Theaterbetrieb einbinden last...Ich habe das Theater von der inoffiziellen Seite her kennengelernt, habe mich ináUntergrundtheatern rumgetrieben; das war Ende der 70er. Anfang der 80er Jahre." Eráarbeitet, wenn erádie Lust und das BedŘrfnis dazu verspŘrt, und sucht sich dann die Schauspieler aus, die ihn interessieren. Nach dem Ziel seiner Arbeit gefragt, gesteht eráfreimŘtig:"Ich kann Theater eigentlich nicht leiden, das heist, ich mag es, nehme esáaber uberhaupt nicht ernst. Sehr ernst nehme ich dagegen den Arbeitsprozes. Ich mache Theater nur weil mich gewisse Visionen verfolgen. Sie geben mir keine Ruhe. Wenn ich mich ihrer nicht ináeiner Inszenierung entledige, werde ich vielleicht verruckt."Dabei ist die Arbeit mit ihm fur die Schauspieler soáinteressant, das sie bereit sind, die Schwierigkeiten eines No-bud-get-Theaters auf sich zuánehmen. Denn Geld hat Leduchowski noch nicht einmal, umáeinen Theaterraum fur die Auffuhrung zuáfinanzieren: źGib mir 100 oder 150 Dollar, und ich miete einen Raum und spiele fur Dich!╗. Von Gagen spricht erágar nicht erst. Nicht, das erádie nicht gerne hatte, doch auserhalb des offiziellen Theatersystems etwas auf die Beine zuástellen, was sich tragt, ist soágut wie aussichtslos. Wenn eráGeld braucht, arbeitet eráals Regisseur beim Radio. Manchmal taucht auch unvermittelt ein Sponsor auf, wie beispielsweise bei seiner letzten Inszenierung, der “Marquise deáSade” des Japaners Misima. Seine Akteure sind ináder Regel Mitglieder von Truppen etablierter Buhnen. Gespielt wird aufgrund des Geldmangels selten ináMoskau, sondern vor allem auf Festivals, von denen eráschon etliche Preise, die meisten leider undotiert, mit nach Hause gebracht hat.
Ein Gastspiel 1989 ináStockholm, woáeráLjudmila Petruschewskajas “Drei Madchen ináBlau“ zeigte, brachte dem damals Sechsundzwanzigjahrigen eine Einladung fur eine Koproduktion mit einem schwedischen Theater ein. Soáentstand das Stuck “Eine Stimme aus der Schale”, eine Psy-choplastik nach der Malerei von Manet, Dali. Bosch und anderen, die soáerfolgreich war, das die Truppe damit zwei Jahre lang kreuz und quer durch die damalige Sowjetunion fuhr, nach Leningrad, Kamtschatka oder auf die Krim, und sich damit finanzierte. Uber hundert Auffuhrungen hat das Stuck erlebt. Ein Jahr spater entstanden die „Mondwolfe”, ein Diptichon der bei uns soágut wie unbekannten russischen Gegenwartsdramatikerin Nina Sadur. Leduchowski stetzt dabei den ináRusland haufig realistischen Interpretationen des Textes eine Choreographie entgegen, die den mystischen Gehalt des Stuckes unterstreicht. Gepragt von Bewegungstheater und fern÷stlicher Asthetik, nimmt Gestik, Bewegung und Raumchoreographie einen grosen Platz ináseinen Inszenierungen ein. Sein Theater ist stark stilisiert, unglaublich spannungsreich, formal reduziert und kommt fast vollstandig ohne Buhnenbild und Requisiten aus. InáDeutschland ist Leduchowski kein Unbekannter mehr. Die “Mondwolfe” waren letztes Jahr ináLoccum zuásehen und inádiesem Jahr auf dem Potsdamer Festival UNIDRAM'96, einem osteuropaisch-deutschen Festival fur universitare und freie Theatergruppen aus Deutschland, Polen, Rusland und Tschechien.

1996



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